Hunde, Kinder und Eltern bilden ein unzertrennliches Team. Doch das Familienglück ist getrübt, sobald der Hund krank ist. Der Tierarzt verlangt viel Geld, das nicht jeder Hundebesitzer zur rechten Zeit parat hat. Kleine Rechnungen fürs Impfen oder Entwurmen sind bezahlbar. Doch wie lassen sich Operationen beim Hund finanzieren und warum sind sie so teuer?
Warum Operationen beim Hund so teuer sein können
Muss ein Hund, etwa Ihre Bulldogge, operiert werden, können hohe Kosten anfallen. Flattert die Rechnung ins Haus, sitzt der Schock tief, denn oft summieren sich die einzelnen Kostenposten auf mehrere 100 bis sogar 1.000 Euro. Ein Grund dafür ist die Anpassung der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) im Jahr 2022.
Mit den Gebühren, die Tierärzte bis dahin verlangen durften, ließen sich deren laufende Kosten nicht bestreiten. Gründe für die hohen Belastungen waren steigende Energiekosten, Inflation und hohe Mieten für die Praxisräume. Hinzu kamen höhere Personalkosten, denn auch für die Praxismitarbeiter wird das Leben stetig teurer.
Zudem sind Tierärzte schon verschuldet, bevor sie mit dem Praxisbetrieb beginnen können, denn oft musste das Studium über Jahre hinweg finanziert werden. Außerdem kamen neue Anforderungen auf die Tierärzte zu. Neue medizinische Standards, die die alte Gebührenordnung nicht ausreichend berücksichtigte, kosten Geld. Moderne Operationssäle, CT- und MRT-Untersuchungen sowie telefonische und digitale Beratungen sind Leistungen, die Tierärzte anbieten sollten, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Zudem sollte der Tierarztberuf attraktiver werden, denn immer weniger Tiermediziner entscheiden sich, eine Tierarztpraxis zu eröffnen. Die Gründe liegen in der hohen Arbeitsbelastung von mehr als siebzig Stunden in der Woche. Zusätzlich fehlt es dem Berufszweig an Nachwuchs, sodass eine flächendeckende Versorgung nicht mehr gewährleistet war.
Welche Kosten bei einer Operation anfallen
Die Operationskosten beim Hund bestehen aus einer Reihe unterschiedlicher Posten, die sich alle durch die neue GOT erhöhten. Auf der Tierarztrechnung stehen Kosten für die Voruntersuchung und Diagnostik. Zu diesen zählen klinische Untersuchungen, Röntgenaufnahmen und Ultraschall sowie Blutuntersuchungen und das Elektrokardiogramm (EKG).
Vor der Operation erhält der Hund ein Beruhigungsmittel. Diese Prämedikation gehört bereits zur Anästhesie und ist ein weiterer Kostenfaktor auf der Rechnung. Hinzu kommen die Kosten für das Narkosemittel (Anästhetikum) sowie für die Anästhesie-Überwachung während der Operation. Zu den Kosten im Rahmen der Betäubung des Hundes gehören zudem die Anästhesie-Leistungen des Personals. Zudem stehen die Kosten für die chirurgischen Leistungen des Tierarztes auf der Rechnung.
Daneben erhebt dieser Gebühren für die Nutzung und Sterilisation des Operationssaals. Weitere Personalkosten fallen für die Assistenz an. Zusätzlich müssen Sie für die Materialkosten bei der Operation aufkommen. Dazu gehören chirurgisches Nahtmaterial, Skalpelle und Einweginstrumente, Verbandsmaterial und Tupfer sowie – falls verwendet – Implantate. Nach der Operation hat der Hund voraussichtlich mit Schmerzen zu kämpfen. Dagegen erhält er Schmerzmittel.
Weitere postoperative Medikamente sind unter anderem Antibiotika und Entzündungshemmer. Diese Posten tauchen ebenfalls in der Rechnung auf. Zudem finden Sie auf der Rechnung Kosten für die Überwachung und Nachbetreuung. Dazu zählen die postoperative Überwachung im Aufwachraum, der Verbandswechsel, eine mögliche stationäre Unterbringung und Nachuntersuchungen.
Zudem können Tierärzte Notfallzuschläge bis zum Vierfachen der eigentlichen Kosten verlangen, falls die Operation außerhalb normaler Öffnungszeiten stattfindet. Überdies erhöht eine Intensivbetreuung aufgrund von Komplikationen die Rechnung. Wie viel Sie letztlich zahlen müssen, variiert nach der Komplexität und Art der Operation, nach deren Dauer und dem Verlauf des Eingriffs.
Häufige Operationen beim Hund und deren Kosten
Beinahe die Hälfte aller Hunde benötigt einmal im Leben eine Operation. Ursachen können Unfälle und Krankheiten sein, aber auch altersbedingte Störungen und solche, die rassetypisch sind. Zu den häufigsten Operationen zählen Tumore, Zahnextraktionen, Kreuzbandrisse, Gelenkoperationen sowie Bauchhöhlenoperationen, Amputationen und Knochenbrüche.
Operationen am Kreuzband kosten zwischen 2.000 und 4.000 Euro. Bei Wirbelsäulenverletzungen und anderen neurochirurgischen Behandlungen rechnen Sie mit Kosten von 5.000 bis 6.000 Euro. Leidet Ihr Hund unter einer Magendrehung, fallen Kosten zwischen 3.500 und 6.000 Euro an. Für die Entfernung eines Tumors verlangt der Tierarzt 800 bis 3.500 Euro.
Die bei großen Hunden häufig vorkommende Hüftdysplasie kostet den Hundebesitzer 3.500 bis 5.500 Euro, eine Ellenbogendysplasie 2.000 bis 3.500 Euro. Dackelbesitzer sollten sich darauf einstellen, dass ihr Hund aufgrund eines Bandscheibenvorfalls operiert werden muss – Kosten: 2.500 bis 4.500 Euro. Für eine Zahnextraktion bei Ihrem Hund zahlen Sie zwischen 300 und 1.200 Euro.
Besitzen Sie eine Französische Bulldogge, sollten Sie frühzeitig Geld beiseitelegen. Denn mit dem Alter kommen die Beschwerden. Rassetypische Krankheiten, die oft eine kostspielige Operation erfordern, sind Gelenk- und Wirbelsäulenprobleme. Mit zunehmendem Alter tritt nicht selten ein Bandscheibenvorfall häufig auf. Rechnen Sie zudem mit einer Hüftgelenkdysplasie, einer Patellaluxation und mit Augenerkrankungen. Die Kosten variieren je nach Komplexität des Eingriffs, der Region und der Tierarztpraxis.
Was die Kosten einer Hunde-OP beeinflusst
Operationen beim Hund unterscheiden sich. Doch eines haben sie gemeinsam: Sie verschlingen Unmengen an Geld. Wie hoch die Rechnung ausfällt, hängt von der Art des Eingriffs, von der Dauer der Operation, dem Gewicht des Hundes und vom Verlauf der Operation ab.
Kommt es zu Komplikationen, können sich die Kosten drastisch erhöhen. Notfalloperationen, zu denen Kreuzbandrisse und Magendrehungen gehören, können Sie einschließlich der Nebenkosten für die Operation Tausende Euro kosten. Dieses Geld liegt oft nicht auf dem Bankkonto, sobald Sie es benötigen. Deshalb müssen Sie sich überlegen, wie Sie die Operation Ihres Hundes finanzieren.
Möglichkeiten zur Finanzierung einer Hundeoperation
Benötigt Ihr Hund Hilfe, ist diese teuer und kann Familien in finanzielle Schwierigkeiten stürzen. Doch gibt es Möglichkeiten, das Beste daraus zu machen.
Ratenzahlung beim Tierarzt – was ist möglich?
Einige Tierärzte zeigen Verständnis und bieten Hundehaltern flexible Zahlungsmöglichkeiten. Eine davon ist die Ratenzahlung, für die Sie jedoch bei nicht wenigen Praxen einige Voraussetzungen erfüllen müssen. Oft fordern diese Nachweise über Einkommen und sonstige Sicherheiten. Danach unterschreiben Sie eine Ratenzahlungsvereinbarung, in der Sie versichern, dass Sie alle Bedingungen des Vertrages verstehen.
Tierkrankenversicherung als finanzielle Absicherung
Notfälle, die eine Operation erfordern, können bei allen Hunden vorkommen. Besonders bedroht sind jedoch überzüchtete Rassen wie die Englische und die Französische Bulldogge, der Mops sowie der Deutsche Schäferhund und der Dackel (Teckel).
Auf der sicheren Seite sind Sie mit einer Tierkrankenversicherung als finanzielle Absicherung. Bei dieser gibt es zwei Versicherungsmodelle: die Vollversicherung als Krankenversicherung und die OP-Versicherung.
Die Vollversicherung kann je nach Anbieter und Tarif die Kosten für allgemeine Behandlungen, für Medikamente und für Vorsorgeuntersuchungen übernehmen. Zudem kommt sie für Operationen beim Hund auf. Beachten Sie jedoch, dass Versicherer die Leistungen durch Obergrenzen einschränken und nicht alle Tiere jeden Alters aufnehmen.
Lesen Sie die Versicherungsbedingungen daher zuvor sorgfältig und vergleichen Sie mehrere unterschiedliche Anbieter und deren Leistungen. Achten Sie darauf, ob die Versicherung für Ihre Hunderasse höhere Prämien verlangt. Bedenken Sie zudem, dass viele Versicherer erst nach einer Wartefrist von dreißig Tagen anfallende Tierarztkosten erstatten. Auch die Höhe der Versicherungsleistungen unterscheidet sich. Manche zahlen lediglich einen vereinbarten Prozentsatz, sodass Sie einen Teil der Tierarztkosten selbst aufbringen müssen.
OP-Versicherungen für Hunde – Leistungen und Vorteile
Suchen Sie nach einem günstigen Tarif, empfiehlt es sich, eine OP-Versicherung abzuschließen. Diese kostet monatlich weniger als eine Vollversicherung, deckt aber die größten Risiken ab. Auch hier lohnt sich ein Vergleich.
Diese speziellen Versicherungen kommen für die Operationskosten sowie für die Vor- und Nachbehandlung auf. Zu den Leistungen zählen zudem die Anästhesie und die Narkose. Überdies greift die Versicherung bei einer stationären Behandlung nach einer Operation in einer Tierklinik. Auch die Kosten für Not-OPs gehören zu den Leistungen der OP-Versicherungen für Hunde. Aus dem Leistungskatalog heraus fallen Routineuntersuchungen beim Tierarzt sowie Leistungen, die die Zähne des Hundes betreffen. Dazu gehören Extraktionen und Zahnsteinentfernungen.
„Notfallfonds“ und Rücklagen für Tierarztkosten
Eine Alternative oder Ergänzung zu einer Hundeversicherung ist, selbst Rücklagen für Tierarztkosten zu bilden. Bei einem solchen „Notfallfonds“ haben Sie die volle Kontrolle. Das Geld ist sofort verfügbar, jedoch nur in der Höhe Ihrer Rücklagen. Fangen Sie erst spät mit dem Sparen an, reicht die angesparte Summe möglicherweise nicht aus, um die gesamten Kosten damit zu bestreiten.
Haben Sie einen Welpen von unter 2 Jahren, sparen Sie 1.500 bis 2.500 Euro an. Mit dem Alter des Hundes steigt der Bedarf, sodass Sie 3.000 bis 5.000 Euro zurücklegen sollen. Für einen Senior von über sieben Jahren legen Sie 5.000 bis 8.000 Euro zurück. Bereichert ein großer Hund die Familie, fallen die Tierarztkosten aufgrund von Operationen und rassetypischen Erkrankungen höher aus.
Zudem spielt der Gesundheitszustand des Hundes eine Rolle für die Höhe Ihres „Notfallfonds“. Haben Sie einen gesunden Hund, reichen zunächst 3.000 bis 5.000 Euro an Rücklagen aus. Für einen Hund mit einer chronischen Erkrankung brauchen Sie 5.000 bis 10.000 Euro oder mehr.
Gehen Sie beim Aufbau eines „Notfallfonds‘“ strategisch vor. Richten Sie dazu einen Dauerauftrag ein, sodass Sie das Sparen nicht vergessen können. Überweisen Sie das Geld auf ein Zweckkonto, um es nicht für andere Dinge auszugeben. Zudem eignet sich ein Tagesgeldkonto zum Anlegen des „Notfallfonds“. Auf diese Weise erhöhen Sie das Guthaben durch den Erhalt von Zinsen. Eine weitere Möglichkeit, das finanzielle Risiko zu verringern, ist der Abschluss einer Hundekrankenversicherung gekoppelt mit zusätzlichen Rücklagen. Diese können dann entsprechend niedriger ausfallen.
Kredit oder Finanzierung
Können Sie die Kosten für eine Hunde-OP nicht aufbringen, gibt es weitere Möglichkeiten, diese zu bezahlen – beispielsweise über eine Kreditkarte mit Verfügungsrahmen. Zudem kommen ein Bankkredit oder ein Online-Sofortkredit in Betracht, um die Hundeoperation zu bezahlen.
